Android Handy T-Mobile G1, Sicherheitslücken und Updates

Vorab möchte ich erst einmal so fair sein und sagen, dass ich selber ein iPhone besitze und daher kann man mich vielleicht etwas parteiisch ansehen. Dem kann ich nur entgegen setzen, dass ich sehr viel während meiner Arbeitszeit mit offenen Systemen zu tun habe (Linux-Server etc.) und generell Android nicht pauschal negativ gegenüber stehe und viel Potential sehe. Was allerdings zur Zeit von den Handy-Herstellern mit Android-basierenden Handys gemacht wird ist meiner Meinung nach schon fast peinlich.

Ein Freund von mir ist seit etwa 1 12 Jahren im Besitz eines T-Mobile G1 (aka. HTC Dream) Handys mit einem entsprechenden Telekom-Vertrags. Es handelt sich dabei um ein Android-basierendes Handy, welches im Februar 2009 in Deutschland auf den Markt kam. An sich ein wirklich gutes Gerät, wenn man einmal davon absieht, dass es jetzt bereits das 3x zum Service musste wegen diverser Defekte. Ein Montags-Gerät kann bei jedem Hersteller einmal vorkommen.

Was mich deutlich mehr stört ist die Update-Politik des Handy-Herstellers. Im August dieses Jahres wurde eine (meiner Meinung nach) gravierende Sicherheitslücke im Android-Systemen gefunden. Mit Android 2.2 hat Google die Sicherheitslücke relativ zeitnah geschlossen und eigentlich sollte man denken, dass der Bugfix relativ schnell von den Handy-Herstellern verbreitet wird. Einige Wochen und 2 iPhone Firmware Updates später (mit denen ebenfalls eine gravierende Lücke korrigiert wurde) hört man von T-Mobile und HTC nicht viel.

Eigentlich ist diese (nicht-)Reaktion vorhersehbar gewesen. Bereits bei der Veröffentlichung von Android 1.6 durch Google gab es die Vermutung, dass es für das T-Mobile G1-Handy aufgrund eines zu kleinen internen Speichers kein Update mehr geben wird. Dies stellte sich im Fall der 1.6er Version noch als falsch heraus. Bald stellte sich allerdings heraus, dass es das letzte Update für das damals knapp 1 Jahr alte Handy sein würde. Der Telekom Pressesprecher bestätigte, dass Android 1.6 das letzte offizielle Update für die T-Mobile G1 Handys sein wird.

Und nun? Hier haben wir nur die Besitzer eines T-Mobile G1 Handys, welches in den meisten Fällen mit einem 2 Jahres Vertrag verkauft wurde und nun mit einer massiven Sicherheitslücke leben müssen. Nur zur Erinnerung: auch die gesetzliche Gewährleistung beträgt in Deutschland 2 Jahre. Damit hat man einen Mobilfunkvertrag mit einem subventionierten Handy an der Backe, welches man eigentlich aufgrund der Sicherheitslücke nicht mehr in seinem vollen Umfang nutzen sollte.

Für den Kunden meiner Meinung nach eine untragbare Situation. Selbst wenn der Speicherplatz nicht ausreichend sein sollte, dann gibt es in den meisten Fällen bei Sicherheitsproblemen immer noch die Option eines Backports. Dabei würden die Entwickler den von Google bereitgestellten Patch zu modifizieren, dass dieser auch bei Android 1.6 greifen würde. Der einzige Ausweg ist zur Zeit nur die Installation einer inoffiziellen und nicht vom Hersteller bereitgestellten Custom-Firmware. Dies bedeutet allerdings sowohl den Verlust jeglicher Gewährleistung und Garantie sowie den Verlust der von Google bereitgestellten Anwendungen (z.B. Google Mail, Google Maps usw.). Für den normalen Handy-Nutzer stellt dies keine wirkliche Alternative da.

Es würde mich in diesem Zusammenhang wirklich einmal die Meinung von Richtern zu der Frage interessieren, ob eine Sicherheitslücke unter die gesetzliche Gewährleistung fallen würde. Interessant ist hierbei auch der Punkt, in wieweit es einen Mobilfunk-Laufzeitvertrag beeinflusst, wenn eine Sicherheitslücke bei dem subventionierten Handy nicht korrigiert wird. Vielleicht findet sich ja ein G1-Besitzer, der die Fragen gerichtlich klären lässt …

5 responses to “Android Handy T-Mobile G1, Sicherheitslücken und Updates”

  1. Rik sagt:

    Bei der Benutzung einer vom Hersteller nicht freigegebenen Software erlischt nicht die gesetzliche Gewährleistung, sondern allenfalls die (freiwillige) Garantie des Herstellers, soweit in den Garantiebestimmungen geregelt, die ähnlich wie AGB’s Vertragsbestandteil werden. Sollte zB das Display durch einen vom Benutzer nicht vorsätzlich herbeigeführten Schaden im Gewährleistungszeitraum kaputt gehen, ist es unerheblich, ob eine andere als die Originalsoftware aufgespielt ist.

  2. Carsten sagt:

    Hmm, gerade mit einem Kollegen gesprochen. Auf das G1 *kann* man 2.2 drauf bekommen, allerdings nur mit ein wenig extra Arbeit (Repartitionierung des Speichers), d.h. nicht so sonderlich sinnvoll für den normalen Endanwender. Und richtig Spaß macht 2.2 dann wohl nicht, weil man halt nur 128 MB(IIRC) Speicher hat…

    Ansonsten: Die Überschrift ist ein wenig reißerisch, da Du hier nichts generisches anprangerst, sondern „nur” das G1…

    • Jens Dutzi sagt:

      Hallo Carsten, im letzten Abschnitt hatte ich die Custom-Firmware mit der man 2.2 drauf bekommen kann erwähnt und im Text hatte sprach ich durchaus bewusst von offiziellen Updates. Es ist auch nicht so, dass eine Firmware-Problematik nur beim G1 existiert. Nehmen wir zum Beispiel das HTC Hero, welches ebenfalls mit der offiziellen Firmware den Bugfix noch nicht besitzt. Im Prinzip hast du aber natürlich recht, die Überschrift ist wirklich etwas (zu) allgemein geworden. Ursprünglich wollte ich auch den Artikel etwas genereller verfassen, aber das Thema G1 wurde umfangreicher als gedacht. Daher ist es natürlich auch nur gerecht, wenn ich die Überschrift entsprechend abändere. Vielleicht werde ich in Zukunft einmal eine Übersichtstafel machen mit den Infos, wann für die einzelnen Geräte hier in Deutschland ein Update auf Android 2.2 veröffentlicht wurde (sofern das möglich ist).

  3. Über den „Linux-Effekt”…

    Das auf der Android-Plattform von Google basierende G1-Smartphone von T-Mobile ist nach nur 1 12 Jahren „gescheitert”. Die erste Generation der Smartphones würde es schwer haben, das war bekannt, aber der Vergleich mit dem iPhone, welches seit November 2007 in Europa vertrieben wird, hinkt.
    Anfänglich wurde „Bashing” betrieben: Apple könne keine MMS versenden oder „Copy&Paste” tätigen. Mittlerweile wird das HTC Dream nicht mehr vertrieben und wurde aus dem Sortiment entfernt, bevor die laufenden Verträge überhaupt ausgelaufen sind. Man kaufte schon damals ein Auslaufmodell.
    Die Akkuleistung des T-Mobile G1 ist unzureichend. Das Betriebssystem (Android 1.6 oder „Donut”) ist nicht up-to-date, im wahrsten Sinne.
    Im Bezug auf Android-Smartphones kann man sagen, dass die wenigsten gängigen und momentan sich im Einsatz befindlichen Geräte „Froyo”, also Android 2.2, nutzen können. Die meisten dürften aufgrund der zweijährigen Vertragslaufzeit noch mit „Eclair” (Android 2.0 oder 2.1) betrieben werden.
    Android-Smartphones haben sicher Potential, aber allein aus der Vielfalt der „Apps” und der iPhone-Marktstellung sollte man sich für den Marktführer entscheiden.
    News-Meldungen ließen verlauten, dass es mittlerweile mehr Android-Phones gäbe als Apples iPhone, nun: Fast täglich erscheint ein „Android-Handy”.
    Sicherlich hat das iPhone seine Schwächen, aber diese bringt jedes Handy oder Smartphone mit sich. Entwickler und Ingenieure müssen Kompromisse machen, allein schon aus preislichen Gründen. Beim HTC Dream hat man zu schnell auf die Konkurrenz reagieren wollen.

    • Nachtrag:

      Ein weiteres Rätsel bleibt, warum der Android-Nutzer keine Screenshots auf direktem Wege machen kann. Das ist für einen Anbieter doch eine großartige Möglichkeit sich auf dem Markt per „User-generated-advertising” zu positionieren.
      Apple-Blogger dagegen ersparen Steve Jobs einige Werbekampagnen.

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